Die Geschichte der Urologie
Die Wurzeln der Urologie reichen bis in das Altertum zurück. Bereits 1000 v. Chr. verwendeten die ägyptischen Ärzte einen Blasenkatheter. Auch praktizierte man bereits die Entfernung von Blasensteinen. Der berühmte Arzt Hippokrates von Kos (460-370 v. Chr.), auf den der hippokratische Eid zurück geht, unterschied schon mehrere Störungen des Wasserlassens. Er war jedoch gegen die Entfernung von Blasensteinen. Auch die erste anatomische Beschneidung der Prostata fällt in diese Zeit. Sie wurde von Herophilos von Chalcedon (330-225 v. Chr.) vorgenommen.
In den ersten beiden Jahrhunderten n. Chr. wurden nicht nur verschiedene Nierenentzündungen klassifiziert, auch wurden erste genaue Diagnosen durch wissenschaftliche Untersuchungen und eine Analyse des Kranken und damit verbundene Behandlungsmethoden entwickelt. Diese von Claudius Galenus (131-201) stammenden Erkenntnisse und seine Vier-Säfte-Lehre galten bis in 19. Jahrhundert hinein als unantastbar.
Im Mittelalter gab es keine nennenswerte Weiterentwicklung der Urologie. Man hielt sich an die Lehren von Galenus und vermied das Steinschneiden, welches man den Hebammen überließ. Im Zuge des ersten Millenniums gab es einige Weiterentwicklungen: So führte Avicenna aus Buchara (980-1037) bewegliche Blasenkatheter aus Leder ein und forschte über die Niereneiterung und ihre Folgen.
Albucassius aus Cordoba (936-1013) führte die Blasenspülung ein und erneuerte die Kenntnisse der Blasensteinentfernung. Sein medizinisches Werk wird über Jahrhunderte zu einem Standardwerk der Urologie. Arculaneus von Padua beschrieb erstmals die Hydrozele, den Wasserbruch im Hoden und die Varikozele, den Krampfaderbruch um den Hoden, sowie deren mögliche Therapie.
Ab dem 16. Jahrhundert machen die medizinischen Entwicklungen einen enormen Sprung nach vorn. Das liegt zum einen an der Erfindung des Buchdrucks, zum anderen an der nun möglichen Autopsie von Leichen. Um nur ein Beispiel des fortschreitenden Kenntnisstandes der Medizin besonders im Bereich der Anatomie zu geben, entdeckte der italienische Arzt Marcellus Malpighi (1628–1694) den Funktionsmechanismus der Niere durch seine Entdeckung der Nierenkörperchen.
Sehr wichtig auch im Bereich der Urologie war die Entwicklung des Abklemmens von Blutgefäßen. Dies gelang erstmals dem Leibarzt Karls des IX. Ambroise Paré (1510-1590). Er ist der Erfinder der Ligatur zur Blutstillung. Des Weiteren befasste er sich auch mit der Erkrankung der Gonorrhö oder auch Tripper genannt und der Harnröhrenverengung.
Mit den großen technischen Fortschritten, die das 19. und 20. Jahrhundert mit sich brachte, konnten sich auch die Behandlungsverfahren und diagnostischen Maßnahmen in der Urologie deutlich verbessern. Durch die Entdeckung der Röntgenstrahlen konnte die Untersuchung vereinfacht werden und durch die Anwendung von Chlorophorm und Ether konnte man den Patienten vor einer Operation in Narkose versetzen. Auch sank die Sterblichkeitsrate durch Entzündungen und Wundbrand erheblich durch die verbesserte Hygiene und neue Erkenntnisse in der Mikrobiologie.
Die bedeutendste Erfindung im Bereich der Urologie war wohl die urologische Endoskopie. Diese geht auf den Frankfurter Arzt Philip Bozzini (1773-1809) zurück. 1806 stellte er das erste Endoskop mit Kerzenbeleuchtung her. Dieses Verfahren wurde von dem Pariser Arzt Antonin Desormeaux (1815-1882) weiterentwickelt, der auch das erste Lehrbuch der Endoskopie veröffentlichte. Auch die verschiedenen Erkrankungen der Niere rückten immer mehr in den Vordergrund: man beginnt mit operativen Therapien. Im Jahr 1869 wird die erste Nierenentfernung aufgrund von Urinfistelbildung vorgenommen durch den Heidelberger Chirurg Gustav Simon (1824-1876).
Im Jahr 1900 gelingt dem Londoner Arzt Freyer (1852-1921) die erste vollständige Entfernung des Prostataadenoms über einen Schnitt im Unterbauch und die geöffnete Harnblase. Durch diese beständigen Weiterentwicklungen der Urologie beginnt sich Ende des 19. Jahrhunderts dieser Bereich als eigenständiges Fachgebiet zu entwickeln. Der erste Lehrstuhl de Urologie wird 1900 an der Berliner Charité von dem Dresdner Arzt Maximilian Nitze (1848-1907) begründet, welcher das mit elektrischem Licht betriebene Endoskop entwickelte. Der Facharzt für Urologie wird 1924 erstmals vergeben.
Nach dem 2. Weltkrieg verbesserten sich die Untersuchungsbedingungen noch mehr durch die Einführung von Sonographie, Computertomographie und nuklearmedizinischen Untersuchungsmethoden, um nur einige Neuerungen zu nennen. Auch durch Penicillin und Antibiotika konnten viele Leiden bekämpft werden. Auch wurden und werden viele weitere Verfahren wie beispielsweise die Prostataektomie entwickelt.
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